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PortraitStephan Giselbrecht

Kirche ist für mich kein Ort ausserhalb der Gesellschaft. Sie ist Teil von ihr. Deshalb interessiert mich am Pfarrberuf nicht nur die Verkündigung, sondern ebenso die Begleitung von Menschen, die Bildungsarbeit und die Frage, welche Rolle Kirche in einer sich wandelnden Gesellschaft spielen kann.

Die Neugier auf meinen Glauben hat mich zur Theologie geführt...

Nach einem begonnenen Medizinstudium, einem Abschluss in englischer Literaturwissenschaft und fast zwei Jahrzehnten in der Finanzbranche studiere ich heute Theologie an der Universität Basel. Rückblickend wirkt dieser Weg vielleicht ungewöhnlich. Für mich ergibt er jedoch Sinn: Mich haben schon immer weniger die Antworten interessiert als die Zusammenhänge dahinter. 

Aufgewachsen zwischen verschiedenen kirchlichen Traditionen in der Schweiz und den USA beschäftigt mich schon lange die Frage, wie Menschen ihre Welt deuten und weshalb bestimmte Überzeugungen über Generationen hinweg Bestand haben. Der christliche Glaube gehörte dabei immer zu meinem Leben. Irgendwann wollte ich jedoch genauer verstehen, worauf er eigentlich gründet und wie er sich über die Jahrhunderte entwickelt hat. 

So habe ich das Theologiestudium nicht begonnen, um meinen Glauben zu finden, sondern weil ich verstehen wollte, woran ich glaube und weshalb das überhaupt eine Rolle spielt. Dieses Interesse führte mich schliesslich zur Theologie nicht nur als kirchliche Disziplin, sondern als Ort, an dem Geschichte, Kultur, Philosophie, Gesellschaft und Religion aufeinandertreffen. Mich fasziniert, wie religiöse Vorstellungen Menschen und Gesellschaften prägen und wie umgekehrt historische und gesellschaftliche Entwicklungen das Verständnis von Religion verändern. 

Kirche ist für mich kein Ort ausserhalb der Gesellschaft. Sie ist Teil von ihr. Deshalb interessiert mich am Pfarrberuf nicht nur die Verkündigung, sondern ebenso die Begleitung von Menschen, die Bildungsarbeit und die Frage, welche Rolle Kirche in einer sich wandelnden Gesellschaft spielen kann.

Ich absolviere aktuell den QUEST-Quereinstieg und arbeite aktuell noch weiterhin mit einem grossen Pensum in der Privatwirtschaft. Die Verbindung von Studium und Beruf empfinde ich als Bereicherung. Viele Erfahrungen aus meinem bisherigen Berufsleben begleiten mich in die theologische Ausbildung – und umgekehrt. Mein Ziel ist der Pfarrberuf – nicht als Neuanfang, sondern als Möglichkeit, die Erfahrungen eines bisherigen Berufslebens mit theologischer Reflexion, gesellschaftlicher Verantwortung und der Arbeit mit Menschen zu verbinden.

An der Theologischen Fakultät in Basel schätze ich besonders den akademischen Zugang. Es geht nicht nur darum, Wissen zu erwerben, sondern darum, eigenständig zu denken, Fragen zu stellen und unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen. Gerade diese Haltung erscheint mir auch für den Pfarrberuf zentral.

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