
Am Theologiestudium begeistert mich vor allem die Vielfalt der Themen und die Freiheit, den eigenen Interessen nachzugehen.
Ich studiere Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Basel. Religion, Glaube und Kirche spielten schon in meiner Kindheit und Jugend eine wichtige Rolle in meinem Leben und tun es bis heute. Ich hatte einen sehr spannenden Konfirmandenunterricht, der einerseits Gemeinschaft gestiftet und uns andererseits dazu herausgefordert hat, über Glaubensfragen nachzudenken. Diese offene Herangehensweise, die gleichzeitig Halt gegeben hat, war für mich sehr inspirierend. Sie hat mich motiviert, auch nach der Konfirmation Gottesdienste zu besuchen und erste theologische Inhalte für mich zu entdecken.
Als junges Mädchen war ich aufgrund einer Erkrankung längere Zeit nicht zu Hause und weit weg von meiner Familie und meinen Freundinnen und Freunden. In dieser Zeit habe ich im Ort des Spitals Gottesdienste besucht und gemerkt, wie sehr mich die vertrauten Lieder getröstet haben. Auch das Gefühl, Teil einer Tradition zu sein, mit der ich etwas anfangen kann und die gleichzeitig einen universellen Zugang bietet, hat mir viel Halt gegeben. Bis heute tragen mich bestimmte religiöse Bilder und Erfahrungen durch schwierige Zeiten. Sie geben mir Mut und Kraft, mich einzubringen.
Gleichzeitig hat sich mein Glaube im Vergleich zu früher verändert. Heute ist es mir wichtig, meinen Glauben politisch zu leben und mich für Gerechtigkeit einzusetzen. In der Kirche finde ich Verbündete, die Aktivismus und Glauben nicht als Gegensätze verstehen, sondern davon ausgehen, dass beides miteinander verbunden ist und aus demselben Anliegen heraus entsteht. Durch die theologische Beschäftigung mit Befreiungstheologie durfte ich einen grossen Schatz für mein heutiges Kirchen- und Glaubensverständnis finden. Heute besuche ich auch andere Gottesdienstformate, zum Beispiel queere Gottesdienste. Sie halten meine Neugier auf Kirche lebendig und geben mir persönlich einen stimmigen Rahmen, um Gemeinschaft zu erleben und Rituale wieder zu entdecken.
Wahrscheinlich spielt es eine grosse Rolle, dass ich die ersten acht Jahre meines Lebens direkt bei einer Kirche gewohnt habe, weil meine Mutter dort Pfarrerin war. Dadurch bin ich ganz selbstverständlich in der Gemeinde aufgewachsen. Später haben mich vor allem Religionslehrerinnen und Religionslehrer geprägt und mich auf diesen Weg gestupst. Allerdings habe ich auch einige Umwege gemacht und lange nicht erkannt, wie viele Möglichkeiten die Theologie bietet, auch ausserhalb des Pfarramts. Es gab auch nicht den einen ausschlaggebenden Moment, der mich zum Theologiestudium gebracht hat. Vielmehr war es ein schleichender Prozess. Nach und nach habe ich gemerkt, mit welcher Fülle an Themen ich mich in diesem Studium beschäftigen kann und dass ich mich nicht zwischen Geschichte, Sozialwissenschaften oder Religionswissenschaft entscheiden muss, sondern all diese Interessen miteinander verbinden kann.
Dennoch war Theologie nicht von Anfang an mein Studienwunsch. Ich habe einige Schleifen gemacht, bis ich mich entschieden habe, Theologie als Vollstudium zu studieren. Als Jugendliche wollte ich Journalistin werden, etwas, das ich mir auch heute noch gut vorstellen könnte. Gleichzeitig war ich immer hin- und hergerissen zwischen einer handwerklichen Ausbildung und einem Studium. Während meines Freiwilligendienstes in Frankreich nach der Matura habe ich das Brotbacken für mich entdeckt und daraufhin eine Bäckerlehre begonnen. Leider musste ich diese wegen der starken Belastung durch die Nachtschichten nach einem halben Jahr abbrechen.
Danach war ich sehr motiviert, ein Studium aufzunehmen und mich intensiv mit neuen Inhalten auseinanderzusetzen sowie die Privilegien des «Studilebens» auszukosten. Ich nutzte das Angebot eines Orientierungsstudiums in den Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt und schnupperte dort vor allem in die Religionswissenschaft und Soziologie hinein. Schnell merkte ich jedoch, dass es mich stärker zur Theologie zog. Es fühlte sich ehrlicher an, zunächst meine eigene Tradition besser zu verstehen und von innen heraus, angereichert durch persönliche Erfahrungen, über Glauben, Christentum und deren Rolle in der Gesellschaft nachzudenken.
Zu Beginn studierte ich zusätzlich Politikwissenschaft im Nebenfach. Bald stellte ich jedoch fest, wie breit das Theologiestudium aufgestellt ist und dass es mich auch allein vollkommen ausfüllt. Politische Themen begleiten mich weiterhin, auch ohne politikwissenschaftliches Studium.
Am Theologiestudium begeistert mich vor allem die Vielfalt der Themen und die Freiheit, den eigenen Interessen nachzugehen. Auch die Anschlussfähigkeit an viele aktuelle gesellschaftliche Debatten überrascht mich immer wieder, auch weil man sie der Theologie auf den ersten Blick vielleicht gar nicht zutrauen würde. Besonders faszinieren mich die exegetischen Fächer. Obwohl Sprachen nicht unbedingt meine grösste Stärke sind und das Lernen manchmal mühsam war, finde ich es unglaublich bereichernd, die hebräischen und griechischen Urtexte lesen zu können. Dadurch eröffnen sich oft neue Bedeutungshorizonte, eine grössere Tiefe und wichtige historische Kontexte. Diese Fähigkeit schätze ich sehr und es macht mir immer wieder Freude, mich den biblischen Texten auf diese Weise anzunähern.
Es gibt für mich nicht das eine theologische Thema, das heraussticht. Viel wichtiger sind für mich der Überblick, die Sprachfähigkeit und die Verbindungen zwischen den verschiedenen Disziplinen, die ich im Laufe des Studiums entwickelt habe. Besonders Freude macht mir die Theologie- und Christentumsgeschichte, weil sie genau diese verbindende Perspektive bietet. Sie zeigt immer wieder, wie eng Kultur und Religion mit den jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Zeit verknüpft sind. Das finde ich faszinierend.
Auch Feministische und Queere Theologie begeistern mich seit Beginn meines Studiums. Dabei beschäftige ich mich insbesondere mit Care-Ethik und den politischen Implikationen der Frage, wie wir füreinander Sorge tragen wollen und welche gesellschaftlichen Konsequenzen sich daraus ergeben. Darüber hinaus interessiert mich die interkulturelle Theologie, weil sie den Blick über den eigenen, oft sehr hegemonialen Kontext hinaus erweitert und zeigt, wie vielfältig christlicher Glaube weltweit gelebt und verstanden wird.
Das Theologiestudium hat meinen Glauben, mein Denken und meinen Blick auf die Welt verändert. Bestimmte Dogmen und Vorstellungen haben sich im Laufe des Studiums verschoben. Ich freue mich heute darüber, mit mehr Offenheit und Differenzierungsvermögen auf Glaubensfragen schauen zu können. Das Studium hat meinen Glauben erweitert und komplexer gemacht. Gleichzeitig hat es meinen Blick auf die Welt geschärft. Ich nehme gesellschaftliche Zusammenhänge, Machtstrukturen und religiöse Prägungen bewusster wahr und habe gelernt, Widersprüche und Mehrdeutigkeiten besser auszuhalten.
Ein Begriff, der meinen Weg in die Theologie besonders gut zusammenfasst, ist Ambiguitätstoleranz. Das ist eine Kompetenz, die ich im Studium stark entwickelt habe. Das heisst nicht, dass es nicht manchmal notwendig ist, einen Standpunkt einzunehmen und diesen auch klar zu äussern. Es bedeutet vielmehr, Gleichzeitigkeiten auszuhalten. Auch im Alltag hilft mir das manchmal, etwa wenn ich meinen Studiengang erwähne und Menschen zunächst skeptisch reagieren. Oft entstehen gerade daraus spannende Gespräche und neue Perspektiven.
Wohin mich das Theologiestudium beruflich führen soll, weiss ich noch nicht endgültig. Ich schliesse nicht aus, irgendwann einmal Pfarrerin zu werden. Im Moment merke ich aber, dass ich zunächst andere Wege ausprobieren möchte. Zunächst werde ich den Master «Interreligious Studies» weiterstudieren und danach Praktika im journalistischen sowie im Bildungsbereich machen. Ich denke, dass die Sensibilität für religiöse Sprache und Realitäten auch in einer postmigrantischen Gesellschaft wichtig bleibt und künftig sogar an Bedeutung gewinnen wird. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, in der Bildungsarbeit tätig zu sein, auch wenn ich noch keine konkreten Pläne habe. Durch eine zusätzliche Seelsorgeausbildung könnte ich mir ausserdem vorstellen, Menschen zu begleiten, vielleicht nicht unbedingt in einer Gemeinde, sondern eher in interreligiösen oder gesellschaftlichen Kontexten.
An der Theologischen Fakultät in Basel schätze ich besonders die Interdisziplinarität und die Atmosphäre. Die hohe Interdisziplinarität ist für mich ein grosser Pluspunkt. Ich habe beispielsweise sehr von Veranstaltungen der Jüdischen Studien oder der Geschlechterforschung profitiert. Zudem bietet die familiäre und herzliche Atmosphäre ideale Lernbedingungen. Sie hat mir geholfen, mit Freude und Motivation am Studium dranzubleiben.
Die Begleitung durch die Dekanatsmitarbeitenden, Professorinnen und Professoren sowie deren Mitarbeitende habe ich immer als sehr zugewandt und unterstützend erlebt. Interessant finde ich auch den Masterstudiengang Religion, Wirtschaft und Politik, dessen Veranstaltungen teilweise auch für Theologiestudierende offenstehen. Insgesamt überzeugt mich in Basel die gelungene Mischung aus aktuellen Themen und soliden Grundlagen. Das macht das Studienangebot besonders attraktiv.
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