Personen

Projektleiterin
Prof. Dr. Sonja Ammann

Mitarbeitende

Dr. Stephen Germany

Dr. Julia Rhyder

Dipl.-Theol. Helge Bezold

Externe Expertinnen

Prof. Dr. Angelika Berlejung (Universität Leipzig)

Prof. Dr. Andrea Bieler (Universität Basel)

Prof. Dr. Sylvie Honigman (Tel Aviv University)

Studentische Hilfsassistierende

Anita Dirnberger
Lena Moerikofer

 

Das vom SNF finanzierte Eccellenza-Projekt "Transforming Memories of Collective Violence" wird unter der Leitung von Prof. Dr. Sonja Ammann am Fachbereich für Altes Testament und Semitische Sprachwissenschaft an der Universität Basel durchgeführt.

Projektbeschreibung

Die Texte des Alten Testaments sind geprägt durch Kriegserfahrungen. In ihnen reflektieren und verarbeiten Menschen reale Erfahrungen kollektiver Gewalt. Die biblischen Texte sind aber keine historischen Berichte, sondern eine imaginierte Gewaltgeschichte aus einer Zeit, in der die Israeliten meist keine Macht zur Eroberung anderer Völker hatten.

Manche alttestamentlichen Texte erzählen von einer glorreichen Vergangenheit, in der die Israeliten andere Völker besiegen und Gewalt ausüben. Der Erfahrung der Machtlosigkeit in der Gegenwart stellen sie so ein Bild der Macht und Stärke in einer fernen Vergangenheit entgegen. Andere biblische Texte erzählen von der Vergangenheit aus der Perspektive der Besiegten und erinnern eine Geschichte, in der die Israeliten Opfer von Gewalt sind. Das Projekt untersucht die Konstruktion einer Gewaltgeschichte zwischen diesen beiden Polen des Siegens und Besiegt-Werdens. Diese beiden Pole sind im kulturellen Gedächtnis miteinander verschränkt. Wir untersuchen, wie sich die Gewichtung im Laufe der Zeit in unterschiedlichen historischen Kontexten verändert. Daran wollen wir erforschen, wie eine Gruppe durch eine imaginierte Gewaltgeschichte das eigene Gewaltpotential reguliert und Erfahrungen von Gewalt bewältigt.

Das Projekt verbindet historische und philologische Methoden der Bibelwissenschaft mit einer breiteren sozialgeschichtlichen Perspektive und nimmt Ansätze aus der Traumaforschung auf. Am Beispiel alttestamentlicher Literatur werden Argumentationsstrukturen, Selbst- und Feindbilder und Bewältigungsstrategien in Bezug auf erlittene und ausgeübte Gewalt aufgezeigt. Die Ergebnisse können für die Erforschung gegenwärtiger Diskurse des Siegens und Besiegtwerdens herangezogen werden. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur interdisziplinären Trauma- und Konfliktforschung.

Unter Veranstaltungen und Veröffentlichungen finden Sie Informationen zu aktuellen und vergangenen Events, vorab sei auf folgende Tagung hingewiesen:

Tagung 2020

02.–04.09.2020: Historical Narratives and Memoralization of Collective Violence in Antiquity, Castelen, Augst.

Im September 2020 lädt das Projektteam internationale Forscherinnen und Forscher zu einer interdisziplinären Konferenz auf dem Landgut Castelen ein. Auf der dreitägigen Veranstaltung gehen verschiedene Beiträge der Frage nach der Memoralisierung kollektiver Gewalt in narrativen Traditionen der Antike nach. Unter anderem werden babylonische, persische, griechische und römische Texte in den Blick kommen. Weitere Informationen folgen.